In Zeiten wie diesen....

Ein Beitrag von Manuela Schindler (C)

 

Wir erleben gerade eine merkwürdige Zeit, ausgelöst durch den Coronavirus. Es werden Verordnungen verhängt, um die medizinischen Einrichtungen nicht zu überfordern und die Menschen werden aus ihrer gewohnten Lebensweise herausgerissen. Die damit verbundenen Schwierigkeiten sind oft sehr groß, denn von Existenzängsten bis zur mentalen Überforderung ist alles vorhanden. Eines ist aber besonders gravierend: die Isolation der Menschen, die sich nicht mehr treffen dürfen und die Herausforderung, auf engstem Raum familiäres Miteinander zu erleben, was nicht immer positiv verläuft.

 

Erstaunlicherweise habe ich aus geistiger Sicht aber durchweg positive Rückmeldungen zu dieser Situation!

 

Und: Man sieht – bei aller Dramatik – sehr schöne Reaktionen der Menschlichkeit, welche die Krise begleiten. Plötzlich gerät vermehrt in den Fokus, was direkt um einen herum baufällig ist, und das löst Hilfswellen aus, die eigentlich zum normalen Alltag der Menschheit gehören sollten. Aus Selbstbezogenheit ist wieder Anteilnahme geworden wie immer in schwierigen Zeiten. Das finde ich besonders bewegend. Es wäre doch schön, wenn es immer so wäre und nicht nur zu besonderen Anlässen....

 

Ich möchte nun jedoch nicht wiederholen, was schon viele Menschen gesagt und besungen haben in den letzten Wochen. Mein Ansinnen ist vor allem, die spirituellen Menschen zu erreichen, die hin- und hergerissen sind von den Ereignissen und ihren Platz in der Situation neu finden müssen. Denn bei aller Tragik im Weltgeschehen ist doch erkennbar, dass unsere Erde diese Ruhepause dringend gebraucht hat. Und nicht nur die Erde, sondern auch die Seelen der Menschen, die gefangen waren in Strukturen der Selbstausbeutung, des „ich muss doch“ und „ich kann nicht“, um auf der materiellen Ebene zu überleben.

 

Die ersten Tage der Pandemie, als sie in Europa ankam, waren dermaßen erholsam, dass ich beinahe fassungslos vor diesen Ergebnissen stand. Einerseits also das Drama, welches die Welt beschäftigt, andererseits erholt sich die Erde und die Seelen auf ihr gleich mit! Nach 19 Jahren konnte ich erstmals wieder ein paar Nächte durchschlafen, was mir unfassbar gutgetan hat! Der unerklärliche Druck war verschwunden, der mein Leben enorm belastet hatte, obwohl ich sehr zurückgezogen und reduziert –  auf spirituelles Leben konzentriert – gelebt habe.

 

Was also ist geschehen?

 

Aus diesem krankhaften „Ich muss“ und „ich kann nicht“ wurden wir einfach kurzerhand herausgerissen! Nun musste man nicht mehr und konnte, jedenfalls gedanklich.

Man steht in seinen antrainierten Mustern der Pflichterfüllung und kann diese plötzlich nicht mehr ausleben, man wird heruntergefahren und kommt zur Ruhe. Endlich. Doch die Muster arbeiten weiter. Sie lösen Angst aus, machen hilflos oder erfinderisch, je nach dem Naturell der Einzelnen. Durch mein klösterliches Leben habe ich es deutlich leichter, da Rückzug und Selbstbesinnung zu meinem Alltag gehören und Gottvertrauen als freiwillig gewählte Pflicht dazugehört.

 

Wir werden aber nicht nur beruhigt, sondern auch aufgefordert, genau hinzuschauen!

Zu bemerken, wo wir innere Baustellen mit Geschäftigkeit überdeckt haben, wo Arbeit und Pflicht zum Weglaufen (ver)führte, wo man dringenden Betrachtungen und situationsbezogenen Neubewertungen auswich, weil man keine Zeit hatte, oder es an Gelegenheiten mangelte, neue Pläne zu schmieden und längst überfällige Veränderungen einzuleiten. Die Welt mit ihrem zwanghaften Getriebe hat es den Menschen dieser Zeit dermaßen schwer gemacht, innere Werte leben und entfalten zu können, wie es noch nie zuvor gewesen ist.

 

Nun haben wir die Zeit, alles zu überdenken. Nun muss genau hingeschaut werden, wo  genau innere und äußere Baustellen sind, um diese jetzt abzuschließen. Veränderungen müssen zumindest geplant werden, bis die Zeit der Umsetzung kommt, und vielleicht darf so eine ganz neue Lebensweise entstehen, die nicht die alten Werte der (Selbst)Ausbeutung weiter bedient.

 

Dass das gelingen möge, wünsche ich uns allen!